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Diese Wohnung hilft beim Energiesparen



Berlin

Diese Wohnung hilft beim Energiesparen

Degewo stellt in Wilmersdorf Musterwohnung vor, die Interessierte besuchen können. Studenten beraten

Von Katrin Lange

Damit hatte Birgit Wilkes nicht gerechnet: Obwohl die Professorin der Technischen Fachhochschule Wildau alle Geräte in ihrer Wohnung ausgeschaltet hatte, lief der Stromzähler weiter. Nirgends gab es einen Stand-By-Modus. Sie begab sich auf die Suche nach dem Energiefresser und ortete ihn in ihrem Fitnessgerät. "Selbst im ausgeschalteten Zustand verbrauchte das Laufband 100 Watt", sagt die Expertin für Telematik und Gebäudeautomation.

Ein Unding, befand sie angesichts der ständig steigenden Kosten für Strom und Heizung - und machte sich mit ihren Studenten daran, Energiesparpotenziale in Wohnung aufzuspüren. Das Ergebnis, das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telematikgesellschaft und dem Wohnungsunternehmen Degewo entstand, wurde gestern in der nach eigenen Angaben bundesweit ersten Energie-Spar-Musterwohnung in der Schlangenbader Straße 28c in Wilmersdorf vorgestellt.

Auf dem ersten Blick ist in der Wohnung der Degewo nichts ungewöhnlich: Zwei helle Räume, viel Glas. Erst beim genaueren Hinsehen sind die Details der elektronischen Heizungs-, Strom- und Lichtsteuerung zu entdecken: Gleich neben der Tür befindet sich ein Lesegerät für eine sogenannte Transponder-Karte, ähnlich wie in Hotelzimmern. Das System von der inprojal elektrosysteme GmbH gewährleistet, dass die Stromversorgung nach dem Herausziehen der Karte abgeschaltet ist. Ausgenommen sind Geräte wie der Kühlschrank. Hat man die Wohnung verlassen, ist mit Sicherheit das Bügeleisen aus.

Außerdem wurden in der Musterwohnung alle Heizkörper mit speziellen Stellventilen versehen, die mit einem kleinen Schaltdisplay verbunden sind. Mit dieser von Siemens eingebauten Lösung kann die Heizung über Funk nach Belieben gesteuert werden. Aber auch Jalousien, Dimmer, Lichtschalter und Rauchmelder lassen sich so regeln. Mit einer Fernbedienung oder dem Handy kann alles programmiert werden.

Kosten lassen sich um 250 Euro senken

"In einer 80 Quadratmeter großen Wohnung lassen sich mit diesen technischen Systemen jährlich etwa 250 Euro an Strom- und Heizungskosten sparen", erklärt Degewo-Vorstand Frank Bielka. Der Verbrauch sinke um bis zu 30 Prozent. Allerdings muss der Mieter vorher tief in die Tasche greifen: Die Kosten für die Geräte - zwischen 1000 und 2000 Euro, je nach Anbieter und Ausstattung - muss er selbst bezahlen. Eine Anschaffung, die sich erst nach einigen Jahren amortisiert hat.

Im Moment plant die Degewo noch nicht, Wohnungen auf ihre Kosten mit diesen Energiespargeräten auszustatten. In ferner Zukunft sei es aber vorstellbar sagt Stefan Pfeiffer, Leiter des City-Kundenzentrums. Einen Vorteil hat das System: Bei einem Umzug kann alles abgebaut und mitgenommen werden.

Andere Wohnungsunternehmen könnten bald nachziehen. "Wir haben zwar noch keine Musterwohnung in diesem Sinne", sagte Thomas Rücker, Pressesprecher der GSW. Allerdings arbeite man an einem Energiesparkonzept, das sich noch in der Abstimmung befinde. Auch Melanie Geyer von der Gesobau gibt zu, dass sie von einer Energie-Spar-Wohnung in ihrem Unternehmen noch nichts gehört habe, aber sicher sei, dass die technische Abteilung verschiedene Modelle prüfe. Sie findet vor allem die Transponder-Karte sinnvoll "für Leute, die öfters vergessen, etwas auszuschalten". Das erhöhe die Sicherheit.

Auch der Berliner Mieterverein hält die Energiesparsysteme für eine sinnvolle Angelegenheit, "wenn sie intelligent eingesetzt werden", sagt Reiner Wild, stellvertretender Geschäftsführer des Mietervereins. Er frage sich jedoch, ob der Kostenaufwand adäquat sei für Leute, die ohnehin bewusst mit Energie umgehen. "Wer immer darauf achtet, das Licht auszuschalten oder die Heizung zu drosseln, hat auch ohne technische Unterstützung schon viel erreicht", sagt Wild.

Birgit Wilkes spart jetzt 322 Euro im Jahr an Strom- und Heizungskosten. Ihre Studenten kämen auf 70 bis 130 Euro. Wer will, kann sich die Energiesysteme vor Ort ansehen. Die Wohnung in der Schlangenbader Straße 28c ist ab dem 9. Februar, immer freitags bis sonntags, 10-19 Uhr, für alle Interessierte geöffnet. Studenten der TFH Wildau bieten zudem persönliche Wohnungsbesichtigungen und Energieberatungen an.

Anmeldungen unter

www.wohntelematik.de.

Aus der Berliner Morgenpost vom 6. Februar 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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